News vom 26.07.2010

Wegweiser im Bio-Dschungel

DIN EN 13432

DIN EN 13432

Metzingen. Wer Umweltfreundliches einkaufen will, kann aus einem rasant wachsenden Angebot wählen. Das gilt auch für Packmittel und Packhilfsmittel aus so genanntem Bioplastik. Hier zeigt sich jedoch auch die problema­tische Seite einer Boomphase: so lange es im Markt keine Verständigung über Standards gibt, ist es ratsam, bei der Beschaffung genau hinzusehen, was es mit dem jeweiligen Produktversprechen auf sich hat. Am Beispiel der Luft­kissen für die Sicherung von Waren im Versandpaket wird dies deutlich.

 

Wie schlank der CO2-Fußabdruck eines Produkts ist, hängt davon ab, wie viele Treibhausgasemissionen bei Herstel­lung, Vertrieb, Nutzung und Entsorgung der Ware entste­hen. Transportwege vergrößern demnach den CO2-Fußabdruck. Werden die Waren mit Füll- und Polstermaterial aus nachwachsenden Rohstoffen auf den Weg geschickt, hat dies im Vergleich dazu einen ausgleichenden Effekt in der Öko­bilanz. Auf der Suche nach Materialien, die diese Vorgabe erfüllen, finden die Unternehmen seit 2007 vermehrt Luftpolsterfolien vor, die als Bioqualität gekennzeichnet sind.

Aber Achtung: Nicht alle Angebote, die so etikettiert sind, erfüllen die Erwartung des Einkäufers, dass es sich hierbei um ein Produkt auf Basis erneuerbarer Ressourcen handelt. Ganz im Gegenteil, sie können vollständig aus Standard-Polyethylen (PE) bestehen, dessen Rohstoff Erdöl ist. Dieses Missverständnis ist möglich, weil Biokunststoff verschieden definiert wird.

 

Etikettenschwindel möglich

Für die einen ist das wesentliche Merkmal die Material­basis: sie soll aus erneuerbaren Ressourcen stammen. Andererseits gibt es eine Definition, die einem Kunst­stoff den Zusatz „bio“ verleiht, sobald er abbaubar ist. Dazu kann er, muss er aber nicht aus nachwachsenden Rohstoffen sein.

Den Wirtschaftsunternehmen, die sich mehr Nachhaltigkeit vorgenommen haben, stellt sich also die Aufgabe im Bio-Dschungel die Produkte zu finden, die den eigenen Ansprüchen genügen. Die Benennung allein kann irreführend sein: Begriffe wie Bio, „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ lassen sich bekanntlich rechtlich nicht schützen.

Konsequent Bio kostet mehr

Wer die Logistik „grüner“ machen will, wird in der Regel auf beide Merkmale setzen, also auf Luftpolster, die sowohl kompostierbar sind als auch aus erneuerbaren Ressourcen stammen. Was die Materialbasis angeht, ist das noch nicht im vollen Umfang erreicht. Luftpolster aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen gibt es nach aktuellem Kenntnisstand noch nicht. Wie bei vielen biobasierten Kunststoffen sind synthetische Komponenten beigemischt, um die für die Verwendung geforderten Eigenschaften zu erreichen.  

Das Mehr an Nachhaltigkeit hat seinen Preis: Für die Luftkissen-Alternative vom Acker muss deutlich mehr bezahlt werden als für vollsynthetische Ware. Das liegt zum einen am hohen Preisniveau des Grundstoffs. Zum anderen am Materialverbrauch: Die Bio-Folie für Transportanwendungen muss bisher noch eine rund doppelte so große Stärke haben, um eine wettbewerbsfähige Qualität zu erreichen, was z.B. die Dichtigkeit angeht. Luftkissen aus coextrudiertem PE schaffen das heute bei nur 25 µ.

Unsichtbar ist nicht unschädlich

Wie gut, mag sich da der eine oder andere Einkäufer denken, dass es am Markt noch günstigere Bio-Alternativen gibt. Diese sind zwar nur abbaubar, aber das ist doch auch schon ganz gut, schließlich bleibt vom Polster­material auf diese Weise nach fünf Jahren nichts sicht­bares mehr übrig, wenn es nach Gebrauch weggeworfen wird. Das visuelle Abfallproblem löst sich sozusagen auf – es fragt sich nur, in welche Bestandteile.

Unter den Additiven, die einem Kunststoff beigemischt werden, um den Abbau in gewünschter Weise zu beein­flussen, sind oft umweltschädliche Substanzen. Einen zweifelhaften Ruf haben die so genannten oxo-bioabbaubaren Werkstoffe erworben. Es handelt sich in der Regel um Werkstoffe aus 100% Polyethylen (PE), denen Metallverbindungen zugesetzt sind. Nach Angabe des Verbandes European Bioplastics (Berlin) sind einige dieser Zusätze nach EU-Recht als Gefahrstoffe zu klassifizieren. Nachgewiesen wurde z.B. Kobalt.

Besser mit dem Keimling-Logo

Wohlgemerkt, dies gilt nur für einen begrenzten Teil der kompostierbaren Kunststoffe. Um diesen vom Einkauf auszu­schließen, gibt es ein wirksames Mittel: die Zertifizie­rung nach der Norm EN 13432. Sie überprüft das Merkmal der Kompostierbarkeit. Die Norm gilt in der gesamten EU. Als Erkennungszeichen dient in Deutschland, den Niederlanden, Großbritannien, Polen und darüber hinaus in der Schweiz das Keimling-Logo.

Für Luftkissen mit diesem Zeichen ist nachgewiesen, dass die Biomasse, die nach ihrer Zersetzung zurückbleibt, weder organische Schadstoffe wie Dioxine noch Schwer­metalle wie Blei, Quecksilber, Kobalt oder Cadmium enthält. Die Luftkissen eignen sich für die Verwertung in einer industriellen Kompostieranlage, das heißt, sie zersetzen sich unter bestimmten Wärme- und Feuchtigkeits­bedingungen in sechs bis zwölf Wochen zu Wasser, Kohlen­dioxid und Biomasse. Ein Pflanzenverträglichkeitstest liegt vor.

Besser jetzt starten

Bio-Luftkissen werden bald ein Beitrag zur grünen Logistik sein. Die Produktionskapazität für nachwachsende Bio-Rohstoffe vergrößert sich weltweit exponentiell, der Druck den CO2–Ausstoß und unsere Abhängigkeit von Öl drastisch zu verringern, ist täglich Thema in den Nachrichten. Privathaushalte, die komplett auf Bio Nahrungsmittel umsteigen und Bio-Packmittel verlangen, werden die Industrie treiben, und wer nicht mithält verpasst den Anschluss.

Kaum jemand wird bestreiten, dass die Arbeit an dem Ziel eines nachhaltigen Werkstoffes richtig und lohnenswert ist. Storopack hat sich entschieden, zu dieser Entwick­lung beizutragen. Und zwar in aller Konsequenz: Airplus Bio ist nicht nur kompostierbar nach EN 13432. Die Rohstoffbasis ist auch aus erneuerbaren Ressourcen. Die Endkunden wissen das Umweltengagement der Unternehmen zu schätzen. Und sie sind bereit dafür mehr zu bezahlen: So ist die Bio-Banane nämlich in den Discounter gekommen.

 

Zum Autor:
Fred Straver ist International Product Manager für Airplus von Storopack.
Email: fred.straver@storopack.com;
Telefon: 0049/711/164227